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9. Holcim Betontagung 2003 an der ETH Zürich
 von links nach rechts: Dr. Frank Dehn, Universität Leipzig, Professor Dr. Jan G.M. van Mier, ETH Zürich, Dr. Luc Trausch, Locher AG, Zürich, Olivier Böckli, Zschokke Locher AG, Aarau, Dr. Thomas Pfyl, Electrowatt Infra AG, Zürich, Professor Dr. Peter Marti, ETH Zürich, Professor Dr. Manfred Curbach, TU Dresden, Martin Keller, Holcim (Schweiz) AG
Die Holcim Schweiz hat auch an ihrer diesjährigen Betontagung gezeigt, wie wichtig ihr die Weitergabe von Resultaten aus Forschung und Praxis ist. Ein zahlreiches Fachpublikum liess sich über die derzeitigen Grenzen sowie über Entwicklungen und Möglichkeiten bei der Anwendung von Fasern im Beton unterrichten.
Die weitaus grössten Mengen an Beton werden im Rahmen des Bekannten und Erprobten gemischt und verbaut. Die Weiterentwicklung eines Baustoffs bedingt dagegen immer ein Überschreiten der Grenzen bisheriger Anwendungsgebiete. Es ist das Verdienst der Holcim Schweiz, dass sie diese Grenzen und damit auch mögliche Entwicklungen thematisiert und einer breiten Öffentlichkeit darlegt.
Thomas Pfyl von der Zürcher Electrowatt Infra AG erläuterte, weshalb Stahlfaserbeton nicht einfach der gewünschte Baustoff sei, mit dem sich Bewehrungskosten und -zeit sparen lassen. Da mit Stahlfasern allein keine Mindestbewehrung erzielt werden könne, käme weiterhin nur ein mit Stahlfasern verstärkter Stahlbeton – und nur in Einzelfällen – in Betracht. Zwei weitere Referenten berichteten dennoch von kürzlich erfolgten und erfolgreichen Anwendungen von faserverstärktem Beton in der Schweiz. Olivier Böckli von der Zschokke Locher AG stellte am Beispiel der Bahn-2000-Baustelle Oenzbergtunnel Einsätze von Stahlfaserbeton beim Tübbingbau sowie beim Spritzbeton vor. Der bei der Locher AG arbeitende Luc Trausch zeigte Anwendungen mit einem neuen Kunststofffasertyp bei Betonschichten, die auf einen bestehenden Betonuntergrund im Verbund aufgetragen werden. Hier konnten die Fasern die Rissbreiten beschränken und das Aufschüsseln der neuen Schichten verhindern. Das Publikum erhielt von ETH-Professor Jan van Mier auch Einblick in laufende Forschungen an hochfesten faserverstärkten Betonen, deren Zugfestigkeit bereits Werte von bis zu 30% ihrer Druckfestigkeit erreicht. Solche Hybrid-Baustoffe aus Beton und einer hohen Dosis an verschiedenen Fasern nähern sich in ihrem Verhalten demjenigen von Stahl an. Fasern dienen nicht nur der Verstärkung, sie können auch die Sicherheit von Bauteilen erhöhen, wie Frank Dehn von der Universität Leipzig ausführte. So öffnen Kunststofffasern im Brandfall durch ihr Wegschmelzen zusätzliche Kapillarporen im Beton, durch die der Wasserdampfdruck abgebaut werden kann, womit sich Abplatzungen und Schädigungen hinauszögern lassen. Und eine nochmals andere Anwendung von Fasern betrifft einen Bereich, in dem üblicherweise nicht an Beton gedacht wird. Professor Manfred Curbach von der TU Dresden zeigte, wie mit dreilagig gewobenen Bewehrungen aus alkaliresistenten Glasfasern der Verbundwerkstoff des textilbewehrten Betons entsteht. Dank geringen Betonüberdeckungen können sehr dünnwandige Bauteile erzeugt werden, die die Planungsfreiheit erweitern, sich aber auch bei Instandsetzungen, beispielsweise als gewickelte "Pflaster", hervorragend einsetzen lassen.
Fachtagungen sollen nicht nur sofort umsetzbare Resultate zeitigen. Es ist gerade eine ihrer Aufgaben, die Diskussion über das Bestehende und damit den Willen zur Innovation anzuregen. In diesem Sinne rief der Tagungsmoderator, Professor Peter Marti von der ETH Zürich, in seinem Schlusswort zu einem verstärkten Austausch und zu einer grösseren Aktivierung des Ingenieurgeists auf und wies in diesem Zusammenhang auch auf die 10. Holcim Betontagung vom 14. Oktober 2004 hin.
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Weitere Informationen |
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| 9. Holcim Betontagung: Tagungsbericht
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